Gerinnungshemmer bei Vorhofflimmern

Wirksamkeit und Sicherheit geschlechtsabhängig?

Bei der Wahl des oralen Gerinnungshemmers zur Schlaganfall-Prävention ist es womöglich sinnvoll, das Geschlecht des Patienten mit Vorhofflimmern zu berücksichtigen. So ist nach den Ergebnissen einer Kohorten-Studie das reduzierte Schlaganfall-Risko bei Patienten mit Rivaroxaban im Vergleich zu Dabigatran und Warfarin auf Männer beschränkt.

Bei der Rate schwerer Blutungen gab es in der Gruppe der Männer keine Unterschiede. In der Gruppe der Frauen hingegen konnten hingegen auf die Schlaganfall-Raten keine unterschiedlichen Effekte der drei Gerinnungshemmer festgestellt werden.
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Das erhöhte Blutungsrisiko scheint dagegen auf Frauen beschränkt zu sein. Für die US-Studie wurden Versicherungs-Daten von knapp 66.000 Männern und rund 81.000 Frauen mit neu-diagnostiziertem Vorhofflimmern ausgewertet; die Patienten waren mindestens 66 Jahre alt. Die Ergebnisse sind im Fachmagazin „Circulation: Cardiovascular Quality and Outcomes“ erschienen.

Primärer Endpunkt war die Rate der Klinikaufnahmen wegen eines ischämischen Schlaganfalls oder einer schweren Blutung bei Behandlung mit Rivaroxaban (20 mg), Dabigatran (2 x 150 mg).

Nach Angaben der Autoren um Dr. Mary S. Vaughan Sarrazin (Universität von Iowa) betrug bei Männern die Reduktion der Schlaganfall-Rate unter Rivaroxaban 31 Prozent im Vergleich zu Warfarin und 34 Prozent im Vergleich zu Dabigatran. Bei der Rate schwerer Blutungen gab es in der Gruppe der Männer keine Unterschiede. In der Gruppe der Frauen hingegen konnten hingegen auf die Schlaganfall-Raten keine unterschiedlichen Effekte der drei Gerinnungshemmer festgestellt werden. Bei den Frauen gab es allerdings erhöhte Blutungsraten unter Rivaroxaban im Vergleich zu Warfarin (plus 20 Prozent) und Dabigatran (plus 27 Prozent).

Die Aussagekraft der Kohorten-Studie sei trotz der großen Patienten-Zahl methodisch bedingt eingeschränkt, betonen die Autoren. Allerdings habe es auch in den beiden relevanten Zulassungs-Studien ROCKET-AF (Rivaroxaban) und RE-LY (Dabigatran) Unterschiede der Wirksamkeit und Sicherheit der Gerinnungshemmer zwischen Frauen und Männern gegeben; die Ergebnisse der aktuellen Kohorten-Studie seien zwar nicht völlig identisch mit denen der Zulassungs-Studien. Aber dies könne zum Beispiel daran liegen, dass es zwischen den Patienten-Populationen relevante Unterschiede gegeben habe, etwa beim Blutungs-Risiko. Gleichwohl sei erforderlich, die Ergebnisse in weiteren Studien zu prüfen, um in Zukunft bei der Wahl des Gerinnungshemmers zu helfen, schreiben Mary S. Vaughan Sarrazin und ihre Kollegen.

Apr 18, 2017, 8:51:55 AM, Autor: Dr. med. Thomas Kron