Gynäkologie

Daten zeigen Erfolg von HPV-Impfprogrammen

Die Immunisierung gegen Humane Papillomaviren (HPV) zeigt erste Erfolge. Darauf weisen populationsbasierte Daten aus Australien, Schweden und Dänemark hin. In diesen Ländern wurde die HPV-Impfung in nationale Impfprogramme aufgenommen. Seit mehr als zehn Jahren sind HPV-Impfstoffe verfügbar. Seither zeigten sich sowohl Reduktionen von HPV-assoziierten Genitalwarzen als auch von bestimmten HPV-assoziierten zervikalen Krebsvorstufen.

Die STIKO empfiehlt die HPV-Impfung für alle Mädchen zwischen neun und 17 Jahren.
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Humane Papillomviren sind weltweit stark verbreitet. Etwa 80 Prozent aller sexuell aktiven Menschen machen im Laufe ihres Lebens eine HPV-Infektion durch. Die Rolle von 13 Hochrisiko-HPV-Typen bei der Entstehung von hochgradigen Dysplasien beziehungsweise Gebärmutterhalskrebs gilt als gesichert. Darüber hinaus ist bekannt, dass die Niedrigrisiko-HPV-Typen 6 und 11 mehr als 90 Prozent aller Genitalwarzen verursachen. Epidemiologische Studien zeigten, dass die Inzidenz bestimmter HPV-assoziierter Krebserkrankungen und Krebsvorstufen sowie Genitalwarzen durch die HPV-Impfung abnahm.

HPV-Impfprogramme in Australien und Nordeuropa zeigen erste Erfolge

Australien weist das breiteste HPV-Impfprogramm weltweit auf. 2007 wurde ein von der Regierung finanziertes Programm eingeführt, das bis 2009 Mädchen im Alter von zwölf bis 17 Jahren über Schulinitiativen und Frauen bis 26 Jahre über öffentliche Gesundheitsdienstleister erfasste. Seit 2009 werden routinemäßig Mädchen im Alter von zwölf bis 13 Jahren mit einem quadrivalenten HPV-Impfstoff geimpft – seit 2013 auch Jungen im selben Alter. Durch dieses Impfprogramm konnte eine beträchtliche Reduktion der Prävalenz von impfpräventablen HPV-Infektionen und damit assoziierten Erkrankungen erzielt werden. Eine Querschnittsuntersuchung zum Vergleich der HPV-Prävalenz bei geimpften und ungeimpften Frauen innerhalb von sechs Jahren ergab eine adjustierte Impfstoffeffektivität durch die dreimalige Impfung mit einem quadrivalenten HPV-Impfstoff von 86 Prozent. Bevor das Impfprogramm startete, wurden 2006 bei ungeimpften Frauen unter 21 Jahren, die bei Gesundheitsdiensten vorstellig wurden, in fast elf Prozent der Fälle Genitalwarzen diagnostiziert. 2011 waren es nur noch weniger als ein Prozent

Dänemark nahm im Januar 2009 die HPV-Impfung für Mädchen im Alter von zwölf Jahren sowie seit Oktober 2008 eine Catch-up-Vakzination für 13- bis 15-Jährige in das nationale Kinderimpfprogramm auf. Ergebnis des Programms ist eine der höchsten HPV-Durchimpfungsraten weltweit: 88 Prozent der Geburtenkohorte zwischen 1993 und 1999 erhielten bis Februar 2013 mindestens eine Impfung. Gleichzeitig sank das Risiko für Genitalwarzen erheblich. Die Reduktion der Inzidenz von Genitalwarzen gilt als einer der ersten Marker für die Effektivität von HPV-Impfungen, da sie bereits einige Monate post infectionem auftreten können. Präkanzeröse Läsionen hingegen entstehen erst nach einigen Jahren. Im Jahr 2012, sechs Jahre nach Einführung der HPV-Impfung, konnten beispielsweise in einer Studie, in der die Daten der dänischen Impfregister analysiert wurden, bei der jüngsten Impfpopulation, die in den Jahren 1997 bis 1999 geboren wurde und eine mindestens einmalige HPV-Impfung erhalten hatte, keine Genitalwarzen mehr registriert werden. In der ungeimpften gleichaltrigen Population hingegen gab es unter 100.000 Personen knapp drei mit Genitalwarzen. In den älteren Impfpopulationen (geboren in den Jahren 1991 bis 1992) wurde noch eine Inzidenz von 29,4 der geimpften und 34,6 der ungeimpften Personen festgestellt.

Schweden subventionierte von 2006 bis 2011 eine HPV-Impfung für Mädchen im Alter von 13 bis 17 Jahren. 2012 wurde ein kostenloses Impfprogramm mit einem quadrivalenten Impfstoff für Mädchen im Alter von zehn bis 18 Jahren eingeführt. Die Prävalenz von HPV 16- und 18-Infektionen in Südschweden flachte bei Frauen im Alter von 13 bis 22 Jahren von 14,9 Prozent und 7,9 Prozent im Jahr 2008 auf 8,7 Prozent und 4,3 Prozent im Jahr 2013 ab. Dies entspricht einer signifikanten Reduktion um fast 42 Prozent.

Die Lage in Deutschland ist bescheiden

In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) seit 2007 eine Impfung gegen HPV für alle Mädchen. Im August 2014 wurde das empfohlene Impfalter auf neun bis 14 Jahre gesenkt. Zuvor hatte es bei zwölf bis 17 Jahre gelegen. Für diese jüngere Altersgruppe sind nach STIKO-Empfehlung nur noch zwei statt drei Impfstoffdosen für eine vollständige Immunisierung erforderlich. Die Impfquoten gegen HPV sind zwar bei 15-jährigen Mädchen über die letzten Jahre leicht gestiegen, lagen jedoch gemäß der letzten Daten von 2014 bundesweit bei 30,5 Prozent - für eine vollständige Impfserie noch immer auf niedrigem Niveau. Die geänderte Impfempfehlung, das Zwei-Dosen-Schema und eine bessere Erreichbarkeit der jüngeren Mädchen über Routine-Vorsorgeuntersuchungen sollen zu einer Erhöhung der HPV-Impfquoten beitragen.

Apr 19, 2017, 8:43:03 AM, Autor: Dr. med. Thomas Kron