Aortenklappen-Implantation

TAVI: Männer und Frauen profitieren gleichermaßen

Bei der katheter-gestützten Aortenklappen-Implantation (TAVI) schneiden einer aktuellen Studie zufolge Frauen und Männer ähnlich gut ab: Bei Komplikationsraten und Op-Resultaten gibt es keine geschlechtsspezifischen Unterschiede.

Es gilt als erwiesen, dass Frauen nach einer konventionellen Aortenklappen-Operation eine schlechtere Prognose haben als Männer. Noch wenige Informationen liegen zu der Frage vor, ob es auch bei TAVI geschlechtsspezifische Ergebnisse gibt.

Wie aktuelle Untersuchungen zeigen, profitieren Frauen von diesem Verfahren möglicherweise sogar noch stärker als Männer: „Auch wenn der Einfluss des Geschlechts auf Komplikationen und Langzeitprognose noch Gegenstand der wissenschaftlichen Diskussion ist, zeigen aktuelle Metaanalysen eine Überlegenheit der TAVI gegenüber dem konventionellen Klappenersatz insbesondere bei Patientinnen“, so Dr. Victor Mauri vom Herzzentrum an der Universitätsklinik Köln.

Eine bei der 83. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) in Mannheim präsentierte Studie hat diesen Trend bestätigt. 598 TAVI-Patienten wurden auf Unterschiede in Bezug auf Vorerkrankungen, Komplikationen rund um den Eingriff sowie die Auswirkungen auf die Hämodynamik untersucht. 52 Prozent der Teilnehmer waren Frauen. Zwar waren die Patientinnen zum Zeitpunkt des Eingriffs mit 82,8 Jahren durchschnittlich um zwei Jahre älter als die Männer; sie hatten aber signifikant weniger relevante Begleiterkrankungen. So litten bei den Frauen 17 Prozent an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung, bei den Männern waren es 25 Prozent. Ebenso hatten die Frauen weniger oft periphere arterielle Verschlusskrankheiten, eine koronare Herzkrankheit oder massiv erhöhte Cholesterinwerte. Auch bei den kardialen Werten schnitten Frauen besser ab: Mit durchschnittlich 57 Prozent lag die linksventrikuläre Ejektionsfraktion deutlich höher als bei den Männern. Zudem zeigten die CT-Analysen bei Frauen eine deutlich geringere Verkalkung der Stellen, an denen die neue Herzklappe angebracht werden sollte.

Trotz unterschiedlicher Ausgangslagen waren Komplikationen und Op-Resultate bei beiden Geschlechtern ähnlich. Gefäßbedingte Komplikationen traten bei 9,7 Prozent der Frauen und bei 7,7 Prozent der Männer auf. Ebenso fielen die Werte bei Blutungen und Schlaganfällen bei Männern und Frauen ähnlich aus. Neue Reizleitungsstörungen, die eine Schrittmacher-Implantation notwendig machten, traten bei Frauen zwar etwas häufiger auf, allerdings waren die Unterschiede mit 13,9 versus 10,1 Prozent statistisch nicht signifikant. Bei der Krankenhaus-Mortalität lagen Frauen mit 3,5 Prozent sogar ein wenig besser als Männer, von denen 3,8 Prozent während oder kurz nach dem Eingriff gestorben waren.

Eine in den Anfangstagen der TAVI-Technik häufig, inzwischen aber viel seltener auftretende paravalvuläre Insuffizienz trat bei Frauen öfter auf. Während bei den Männern nur in 2,7 Prozent der Fälle ein solches Leck festgestellt wurde, war dies bei 7,5 Prozent der Frauen der Fall. Mit ein Grund dafür könnte aber sein, dass bei Frauen vermehrt eine selbst-expandierende Prothese eingesetzt wurde. Fazit von Mauri: „Hinsichtlich des Geschlechts zeigten sich trotz deutlicher Unterschiede im kardiovaskulären Risikoprofil keine Unterschiede hinsichtlich periinterventioneller Komplikationen oder der Krankenhaus-Mortalität.“

Bereits vor drei Jahren wurden bei der Jahrestagung der DGK Ergebnisse einer Daten-Auswertung (GARY: „German Aortic Valve Registry“) präsentiert, wonach in der Gruppe der herzchirurgisch behandelten Patienten die Sterberate bei Frauen mit 3,8 Prozent höher war als bei Männern (2,6 Prozent), in der TAVI-Gruppe hingegen Frauen trotz des höheren Lebensalters keine erhöhte Sterblichkeit aufwiesen.

Apr 19, 2017, 8:58:03 PM, Autor: Dr. med. Thomas Kron