Allergieforschung

Pollen fliegen höher und weiter als angenommen

Pflanzenpollen und Pilzsporen kommen auch in Höhen über 2000 Metern vor. Das berichten griechische und deutsche Forscher im Fachmagazin „Scientific Reports“.


Der Kontakt mit Allergenträgern in der Luft lässt sich den Forschern zufolge nicht vollständig ausschließen.
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Etwa ein Drittel der Erwachsenen und bis zu 50 Prozent der Kinder leiden an Heuschnupfen und/oder allergischem Asthma bronchiale. Um die Betroffenen rechtzeitig auf die zu erwartende Allergenbelastung vorzubereiten, werden mancherorts die Konzentrationen solcher luftgetragenen Allergene regelmäßig erfasst und in verschiedenen Medien als Pollenflugvorhersagen veröffentlicht. Die Messstationen liegen, wie der Allergieinformationsdienst (HZM: Helmholtz Zentrum München) berichtet, hauptsächlich in stadtnahen, dicht bevölkerten Gegenden. Die Pollenquellen befinden sich jedoch häufig außerhalb der Städte, wo die pflanzliche Vegetation üppiger ist.

Um Informationen zur Verbreitung von Pollen über große Entfernungen zu sammeln, untersuchte das Forscherteam, darunter auch Professorin Claudia Traidl-Hoffmann, Direktorin des Instituts für Umweltmedizin am HZM, welche Pollen wie oft in den unterschiedlichen Zonen der Atmosphäre vorkommen. Dazu sammelten die Forscher Luftproben und zwar sowohl auf Höhe des Meeresspiegels als auch in Höhen von bis zu 2000 Metern ‑ mit Hilfe eines Flugzeugs. Eine solche Untersuchung der Pollen- und Pilzsporenverteilung in der Atmosphäre ist den Autoren zufolge weltweit bisher einzigartig.

Bemerkenswert war, dass sich auch in Höhen von 2000 Metern zahlreiche Allergene fanden, Kiefern- (Pinus) und Eichengewächse (Quercus) machten hier den Hauptteil der Pollen aus. Dabei nahmen Häufigkeit und Vielfalt der Pollen- und Sporenarten mit der Höhe tendenziell zu.

Diese Ergebnisse widerlegen laut Traidl-Hoffmann den weit verbreiteten Mythos, dass Pollen und Pilzsporen in der Außenluft nur von nahe gelegenen Quellen stammen und daher auch nur in deren näherer Umgebung allergische Symptome auslösen. Sie zeigen vielmehr, dass die Inhalationsallergene über große Entfernungen verbreitet werden und nahezu überall wie auch in Höhen von bis zu mehreren Kilometern vorkommen können. Das bedeutet laut auch, dass sich der Kontakt mit Allergenträgern in der Luft nicht vollständig ausschließen lässt.

Entsprechend sei eine Weiterentwicklung der Pollenvorhersagen zentraler Bestandteil einer effektiven Allergie-Prävention. „Denkbar wäre zum Beispiel ein Frühwarnsystem mit Drohnen“, so Traidl-Hoffmann in einer Mitteilung des Informationsdienstes.


May 17, 2017, 7:28:30 AM, Autor: Dr. med. Thomas Kron