Zahnersatz im Ausland: Unterm Strich nicht immer ein Schnäppchen

Ob Krone, Brücke oder Inlay – immer mehr Deutsche kombinieren ihren Urlaub mit einem Arztbesuch und reisen für günstigen Zahnersatz ins Ausland. „Strahlend neue Zähne, für jedermann bezahlbar“, locken Zahnkliniken aus Polen, Ungarn oder Tschechien – doch wer nicht aufpasst, zahlt unter Umständen sogar noch drauf. „durchblick gesundheit“ sagt, worauf Sie bei der Behandlung im Ausland achten müssen. 2.500 Euro, um endlich wieder ohne Hemmungen lachen und richtig essen zu können – Helmut P. staunte nicht schlecht, als er den Heil- und Kostenplan seines Zahnarztes sah. Dabei sollte es schon „nur“ die günstige Brücke sein. Von der schicken Variante eines Implantates, von dem sein Kollege so schwärmte, hatte er sich doch ohnehin schon geistig verabschiedet – zu teuer. So wie Helmut P. geht es vielen Deutschen. Schon vor Jahren hat der Staat den Geldhahn für Brücken, Kronen und Prothesen zugedreht – wer jetzt Probleme hat, bekommt nur noch einen festgelegten Zuschuss von den gesetzlichen Krankenkassen. Gerade mal die Hälfte schießen sie zur sogenannten Regelversorgung dazu – also zum untersten Versorgungsstandard. Den Rest müssen die Versicherten selbst bezahlen. Mit einer etwas großzügigeren Finanzspritze der Kassen kann nur rechnen, wer mittels Bonusheft beweisen kann, jedes Jahr beim Zahnarzt gewesen zu sein. Dann gibt es noch mal 30 Prozent des Festzuschusses obendrauf. Aber selbst dann gilt: Die Kassen machen nur beim Nötigsten mit. Wer beispielsweise Wert darauf legt, dass seine „neuen“ Zähne nicht sofort als solche erkennbar sind, sollte sie sich voll verblenden lassen – erst dann sind sie von allen Seiten weiß. Dafür muss der Patient allerdings tiefer in die Tasche greifen, denn die Kassen zahlen nur die Verblendung auf der Zahnaußenseite – und das auch nur im sichtbaren Bereich. So mancher guckt deshalb hoffnungsvoll ins Ausland: Seit 2005 müssen die gesetzlichen Krankenkassen auch jedem Geld dazubezahlen, der sich im europäischen Ausland die Zähne richten lässt. Die Kassen übernehmen den gleichen Betrag wie bei einer Behandlung im Inland. Im Ausland aber kosten Kronen, Brücken & Co. deutlich weniger: In Polen und Tschechien etwa bieten einige Zahnärzte die gleiche Leistung zum halben Preis. Grund dafür sind vor allem niedrige Löhne, billigere Raummieten und die geringeren Laborkosten bei der Herstellung des Zahnersatzes. Auf den ersten Blick lässt sich so eine Menge Geld sparen: Nehmen wir an, die Kasse zahlt pauschal 700 Euro für Helmut P.s Brücke dazu. In Deutschland kostet seine Brücke, die er gerne vollverblendet und aus Keramik haben möchte, aber 2.500 Euro. Er müsste also 1.800 Euro aus eigener Tasche zahlen. Ein Zahnarzt in Polen bietet ihm die gleiche Brücke für 1.200 Euro an. Mit dem Kassenzuschuss von 700 Euro müsste Helmut P. dann nur noch 500 Euro selbst zahlen. Langfristig gesehen geht diese Rechnung aber nicht immer auf: „Die Patienten machen sich vorher häufig viel zu wenig Gedanken, was passiert, wenn nachträglich Probleme auftauchen“, warnt Bertram Steiner vom Freien Verband Deutscher Zahnärzte (FVDZ). „Es kann im Nachhinein durchaus vorkommen, dass unter den Kronen die Karies nicht ordentlich entfernt wurde oder die beschliffenen Zähne nach dem Einsetzen der Krone plötzlich wurzelbehandelt werden müssen. Wenn der Zahnersatz erst mal drin und der Patient abgereist ist, hat dieser natürlich ein Problem. Meist hat er dann auch keinen Urlaub mehr.“ Denn wer mit diesen Beschwerden Hilfe bei seinem deutschen Zahnarzt sucht, wird zwar nicht abgewiesen, muss aber die Kosten selbst tragen. „Den Garantieanspruch für den Zahnersatz und die damit zusammenhängenden Nachbehandlungen hat der Patient nämlich nur bei dem ausländischen Kollegen“, erklärt Steiner, selbst praktizierender Zahnarzt in Berlin. Im Klartext: Wer sich in Polen behandeln ließ, muss auch für die Nacharbeiten dorthin zurück. Dort ist dann zwar die Behandlung für den Patienten kostenlos – aber nicht die Fahrt- oder Übernachtungskosten. Hinzu kommt, dass der Garantieanspruch im Ausland nicht unbedingt der gleiche wie in Deutschland ist. „Nach deutschem Recht hat man zwei Jahre Garantie. Wenn der polnische Arzt den Garantieanspruch aber irgendwann verweigert, dann muss der deutsche Patient in Polen klagen – und das kann schwierig werden“, mahnt Steiner. Was auf den ersten Blick verlockend klingt, kann unterm Strich also auch erheblich teurer werden als geplant. Zudem bewahrheitet sich bei Zahnsanierungen im Ausland allzu oft: Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Krankenkassenexperten aus Rheinland-Pfalz hatten für die Arbeit ausländischer Zahnärzte nur die Note „mangelhaft“ übrig: Bei nicht mal jedem vierten Patienten war der Zahnersatz in Ordnung. Genauer hingesehen hat auch ein Schweizer Zahnmedizinprofessor. Er nahm 120 Brücken und Kronen aus Ungarn genauer unter die Lupe. Sein Fazit: Patienten, die sich in Ungarn behandeln lassen, müssen sich auf hohe Nachbehandlungskosten und Schmerzen einstellen. Überlegen Sie sich deshalb genau, ob Sie Ihre Urlaubsreise nach Polen, Tschechien oder Ungarn mit einer Zahnbehandlung verbinden möchten. Denn ob Sie so tatsächlich das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden können, bleibt fraglich: Schließlich kann eine zahnärztliche Behandlung sehr anstrengend und belastend sein und viel Zeit in Anspruch nehmen. Und wer sich im Hauruck-Verfahren in wenigen Tagen einen komplizierten Zahnersatz wie beispielsweise Implantate machen lässt, muss damit rechnen, dass das Ergebnis vielleicht nicht ganz so gut ausfällt.

Das sollten Sie beachten:

  • Kassen bezuschussen Zahnersatz nur bei ambulanten Behandlungen innerhalb der EU.

  • Holen Sie Angebote von ausländischen Ärzten ein, um Preise und Leistungen genau vergleichen zu können (z.B. über das Internet).

  • Achten Sie darauf, dass der ausländische Heil- und Kostenplan auf Deutsch ist und den deutschen Bestimmungen und Richtlinien entspricht. Lassen Sie ihn sich noch vor der Behandlung im Ausland von Ihrer Kasse genehmigen, sonst kann es Ärger bei der Kostenerstattung geben.

  • Holen Sie sich erst dann einen Behandlungstermin im Ausland, wenn die Kostenübernahme geregelt ist.

  • Kalkulieren Sie Reise- und Übernachtungskosten sowie mögliche Folgebehandlungen bei Auslandsbehandlungen mit ein.

  • Erkundigen Sie sich vorher, ob Ihr ausländischer Zahnarzt ein Abkommen mit deutschen Zahnärzten geschlossen hat, die Sie im Notfall oder bei kleineren Nachbesserungen kostenlos aufsuchen können.

  • Im Ausland müssen Sie die Behandlung bar bezahlen. Nehmen Sie deshalb genügend Geld mit. Lassen Sie sich die Rechnung unbedingt auf Deutsch ausstellen. Erst nach Einreichen der Rechnung bei Ihrer Kasse bekommen Sie den vorher vereinbarten Festzuschuss von Ihrer Kasse.

Mar 8, 2007, 3:56:35 PM, Autor: Nadia Youzbachi