Vorsicht im Haushalt - Reiniger und Co: Giftige Fallen für die Jüngsten

Mit allen Sinnen erkunden Kinder im Alter zwischen eins und vier ihre Umwelt. Das birgt aber auch Gefahren. In unbeobachteten Momenten ist dann auch der Weg zu so verlockend aussehenden Flaschen wie denen mit Putz- oder Lösungsmitteln frei. Und die bun­ten Pillen in Omas Nachttischschublade sehen Bonbons leider zum Verwechseln ähnlich.  

Nicht jeder angeblich kindersichere Verschluss ist es auch. Einen guten Schutz bieten Haushaltchemikalien, die mit dem Bitterstoff „Bitrex“ versetzt sind. Dieser sorgt mit seinem extrem bitteren Geschmack dafür, dass Kinder die giftige Reinigungssubstanz sofort ausspucken. Wenn ein Hersteller seinem Produkt „Bitrex“ beimischt, steht das auf der Verpackung.

Verführerisch hingegen waren früher beispielsweise bunte Lampenöle. Sie wurden vielen Kleinen zum Verhängnis. Deshalb sind heute die bunt gefärbten Öle verboten, aber auch die farblosen ziehen Kinder magisch an. Wenn Kinder Lampenöl oder Grillanzünder trinken, kann paraffin- oder petroleum­haltige Flüs­sigkeit in die Lunge gelangen und sich blitzschnell verteilen. Das Tückische: Lampenöle breiten sich auf feuchten Oberflächen rasant schnell aus, vergleichbar einem Tropfen Spüli auf der Wasseroberfläche. Eine winzige Menge Lampenöl reicht also, um die Lunge schwer zu schädigen.

Nicht minder gefährlich sind Rohrreiniger, manche Backofen- und Grillreiniger. Sie sind stark ätzend. Vergiftungen mit diesen Mitteln sind oft Folge von Gedankenlosigkeit: Ein Handwerker kommt, gießt etwas Rohrreiniger in eine Kaffeetasse ab und vergisst, sie nach getaner Arbeit wegzuräumen. Oder Reiniger aus Großflaschen werden für den Hausgebrauch in Sprudelflaschen abgefüllt – und das Kind verwechselt sie mit Limo.

Ganz besonders wachsam sollten Sie auch mit Alkoholresten oder Zigarettenkippen sein. Die darin enthaltenen Tabakreste sind für die Kleinen gefährlich. Wenn ein Kind trotz aller Vorsicht doch eine Haushaltschemikalie oder ein Medikament verschluckt hat, ist die richtige Erste Hilfe besonders wichtig.

Erbrechen ist notwendig bei stark giftigen, schnell wirksamen Substanzen wie Medikamenten oder Pflanzenteilen. Allerdings darf die Vergiftung nicht zu lange zurückliegen.

Nicht Erbrechen darf das Kind hingegen bei Spül- und Waschmitteln. Dann zieht sich der Magen zusammen und es entstehen Schaumblasen, die das Kind einatmen könnte. Das kann lebensgefährlich werden.

Auch wenn ein Kind ätzende Stoffe erwischt hat, darf es keinesfalls erbrechen. Schlimm genug, wenn Säuren oder Laugen beim Runterschlucken bereits einmal die Magenschleimhaut und die empfindliche Speiseröhre verletzen. Lässt man das Kind erbrechen, kommt die giftige Substanz gleich noch einmal mit der Speiseröhre in Kontakt. Ebenfalls nicht erbrechen darf ein Kind, wenn es Lampenöl getrunken hat. Es kann so in die Lunge gelangen.

Hat ein Kind eine ätzende Substanz verschluckt, geben Sie ihm sofort reichlich Wasser zu trinken. Das verdünnt das Gift im Magen, der ätzende Stoff kann dann die empfindliche Schleimhaut weniger schädigen.

Nicht Nachtrinken darf ein Kind, das Spül- und Waschmittel verschluckt hat. Besser ist dann, dem Kind ein Entschäumungsmittel zu geben, etwa Dimethicon. Das ist der Wirkstoff, der oft auch Babys gegen Blähungen gegeben wird.

Generell gilt: Geben Sie dem Kind niemals Milch zum Nachtrinken. Zwar hält sich das Gerücht hartnäckig, dies sei eine gute Erste Hilfe, genau das Gegenteil aber ist der Fall. Milch enthält Eiweiße, an die sich die giftige Chemikalie bindet. Dieses Eiweiß-Gift-Gemisch nimmt der Körper schnell auf, die Vergiftung wird noch schlimmer.

Bei Vergiftungen mit ätzenden Substanzen sollten Sie auf jeden Fall mit dem Kind ins Krankenhaus fahren, bei schweren Symptomen rufen Sie sofort den Rettungswagen. Nehmen Sie die Reste der verschluckten Chemikalie mit zum Arzt oder ins Krankenhaus.

Tipps zur Vorbeugung
  • Verschließen Sie gefährliche Substanzen sicher und/oder bewahren Sie sie außerhalb der Reichweite von Kindern auf.
  • Entleeren Sie Aschenbecher regelmäßig.
  • Werfen Sie abgelaufene Medikamente nicht in den Müll, sondern bringen Sie sie zur Entsorgung in die Apotheke.
  • Bewahren Sie Medikamente in einer verschließbaren Hausapotheke auf.
  • Kippen Sie Alkoholreste in Flaschen und Gläsern sofort aus oder spülen Sie sie gleich aus. Lassen Sie sie nicht auf dem Tisch oder an der Spüle stehen.
  • Lassen Sie Ihr Kind nicht unbeaufsichtigt, wenn Sie mit Giftstoffen arbeiten (z. B. mit Terpentin und Farben).
  • Einkäufe wie Zigaretten, Alkohol, Wasch- und Reinigungsmittel sofort sicher verstauen. Kinder schnuppern gerne in den Einkaufstaschen.
  • Giftige Substanzen nicht im Abfalleimer entsorgen. Ein Griff reicht und das Kind hat sie wieder in Händen.
  • Giftige Substanzen nie in Lebensmittelbehältern, wie Limonaden-, Milch-, Wasser- oder Bierflaschen, aufbewahren.
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Aug 19, 2008, 11:07:42 AM, Autor: Gaby Guzek / Januar 2008