Rückenschmerzen

Das sollten Sie wissen!

Drei von vier Deutschen hatten schon mal Probleme mit dem „Kreuz“
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Rückenbeschwerden sind häufig, das können Sie wahrscheinlich schon in Ihrem Bekanntenkreis feststellen. Es wäre ein Wunder, wenn Sie unter Freunden oder Arbeitskollegen niemanden fänden, der nicht ab und zu Rückenprobleme hat. Denn etwa drei von vier Deutschen hatten eigenen Angaben zufolge schon einmal solche Beschwerden. Die Statistiken der Krankenkassen kommen zum selben Ergebnis: In der Rangliste der krankheitsbedingten Arbeitsausfälle stehen Rückenschmerzen mittlerweile ganz oben.

Rückenschmerzen sind in den weitaus meisten Fällen eine Folge unserer modernen Lebensweise: Wir sitzen einfach zu viel und bewegen uns zu wenig: Mit Auto, Bahn, Bus ins Büro, dann stundenlang am PC, später Meetings, nach Feierabend wieder im Sitzen nach Hause. Und dann? Zu kaputt zum Sport, stattdessen Fernsehen und ab ins Bett! Sieht so auch Ihr Alltag aus? Kein Wunder, dass der Rücken irgendwann streikt. Aber Achtung: Rückenschmerzen können auch andere Ursachen haben. Denkbare Auslöser sind organische Erkrankungen, die in den Rücken ausstrahlen. Dazu zählen zum Beispiel Krebs, Gallen- oder Nierensteine, Entzündungen der Bauchspeicheldrüse oder der Nieren. Auch psychische Faktoren – Unzufriedenheit, Mobbing, Angst vor Arbeitsplatzverlust – spielen eine zunehmende Rolle. Durch Stress verkrampfen die Rückenmuskeln – und schmerzen.

RICHTIG ODER FALSCH?
TESTEN SIE IHR WISSEN!

Bei Rückenschmerzen sind die Bandscheiben schuld.
Falsch! Nur in etwa einem von zehn Fällen sind tatsächlich die Bandscheiben der Auslöser von Rückenschmerzen. Häufiger sind schwache Muskeln die Ursache.


Nach einem Bandscheibenvorfall sollte man sich schonen.
Falsch! Bewegung ist für die Ernährung des Bandscheibengewebes wichtig. Je schneller man sich nach einem Bandscheibenvorfall wieder bewegt, desto besser. Bei akuten Schmerzen helfen Schmerzmittel.


Falsche Bewegungen führen zu Rückenschmerzen.
Stimmt nicht! Falsche Bewegungen gibt es nicht. Ein gesunder Rücken macht alle Bewegungen problemlos mit.

Harte Matratzen sind gut für den Rücken.
Falsch! Bei zu harten Matratzen bilden sich Hohlstellen im Bereich der Lendenwirbel. Bei zu weichen hängt der Rücken nachts durch. Für viele sind Matratzen mittlerer Härte die beste Wahl.


Die Kopfhaltung kann Rückenschmerzen verursachen.
Richtig! Viel zu häufig schauen wir bei der Arbeit nach unten und überdehnen die Nackenmuskulatur. Ein großer und höher aufgestellter Monitor auf dem Schreibtisch ist für längere Arbeiten daher besser als ein Notebook.


Gerades Sitzen entlastet den Rücken.
Jein! Abwechslung ist gut für den Rücken. Sitzen Sie mal gerade, mal angelehnt und stehen Sie auch mal auf oder lesen Sie im Liegen! Bei einer geraden, aufrechten Sitzhaltung ist der Druck, der auf die Bandscheiben wirkt, größer als im Stehen. Definitiv schlecht ist auf jeden Fall nach vorn gebeugtes Sitzen.


Muskeln stützen die Wirbelsäule
Muskeln und Sehnen spielen bei der Stabilisierung der menschlichen Wirbelsäule – ein Stapel fester Wirbelkörper(-klötzchen) mit dazwischenliegenden gummiartigen Bandscheiben – eine entscheidende Rolle. Durch den aufrechten Gang ist die Wirbelsäule eines Menschen zudem ganz anderen Belastungen ausgesetzt als die Wirbelsäule eines Vierbeiners. Je weiter unten die Wirbelkörper, desto mehr Last müssen sie tragen. Vom Hals zu den Lenden werden die Wirbelkörper des Menschen daher immer breiter und kräftiger. Verkümmert die umgebende Stützmuskulatur aufgrund mangelnder Bewegung, drückt das Gewicht der Wirbelsäule auf die Bandscheiben. Die Folge: Ihr Wassergehalt nimmt ab und die betreffenden Wirbelsäulenabschnitte werden instabil. Um dem entgegenzuwirken, spannen sich die umliegenden Rückenmuskeln verstärkt an. Die Folge: Die Muskeln verkrampfen mit der Zeit und funken „SOS“: Es schmerzt im Rücken.

Was können Sie tun?
Die gute Nachricht: In den meisten Fällen haben Rückenschmerzen eine harmlose Ursache. Und Abhilfe können Sie selbst mit Bordmitteln bewerkstelligen – ohne OP, Schmerzmittel oder sonstige medizinische Maßnahmen. Bei Rückenschmerzen gilt oft: Ausprobieren, was gut tut. Wenn nötig, gönnen Sie sich etwas Ruhe. Insgesamt aber ist Bewegung bei Rückenschmerzen eher hilfreich. Den akuten Schmerz kann man am wirksamsten mit Wärme (Wärmepflaster, Bäder, durchblutungsfördernde Salben, Packungen), rezeptfreien Schmerzmitteln wie Ibuprofen und Paracetamol, Entspannungs- und Lockerungsübungen (z. B. Stufenlagerung, progressive Muskelrelaxation) oder mit einer wohltuenden Massage behandeln. Ganz wichtig neben diesen Akutmaßnahmen: Bringen Sie Bewegung in Ihren Alltag, stärken Sie Ihre Rückenmuskulatur!

Verschwinden die Schmerzen jedoch nicht mit der Zeit durch regelmäßiges Training, sollten Sie der Ursache gemeinsam mit Ihrem Arzt auf den Grund gehen. Kommen weitere Symptome dazu – oder gibt es einen konkreten Anlass – ein Sturz oder Unfall –, sollten Sie Ihren Arzt sofort aufsuchen. Je früher die Behandlung der Rückenschmerzen beginnt, desto besser. Eine aktuelle Studie zeigt, dass die frühe intensive und komplexe Intervention bei diesen Patienten deutliche Vorteile hat. Fast 90 Prozent konnten innerhalb von 4 bis 8 Wochen wieder arbeiten und am Leben teilhaben.

Wann sollten Sie zum Arzt gehen?
  • Bei starken Kreuz- und Beinschmerzen mit Lähmungs- und Taubheitsgefühlen in Unterleib, Beinen, Armen/Händen
  • Bei Schmerzen, die trotz Selbstbehandlung über drei Tage anhalten oder sogar stärker werden und sich durch Haltungsänderung nicht bessern
  • Bei Fieber und schlechtem Allgemeinbefinden
  • Bei Schmerzen mit Darm-, Blasen- oder Atemstörungen
  • Bei Schmerzen in Zusammenhang mit einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung, Osteoporose, einer Immun- oder Krebserkrankung sowie einem Unfall


TIPPS & TRICKS

Rückentraining im
Sportverein

„Rücken-Fit“, „Rücken plus“, „Rücken aktiv“ oder „Rücken in Balance“ heißen die Angebote vieler Vereine, die Sie vielleicht eher durch Sportarten wie Fußball, Handball, Turnen oder Leichtathletik kennen. Fragen Sie die Vereine in Ihrer Nähe! Sicher ist der eine oder andere dabei, der auch Rückentraining im Programm hat.

"Handy-Nacken" vermeiden

Und wenn die akuten Schmerzen endlich verschwunden sind? Gehen Sie in Zukunft aufmerksam mit Ihrem Rücken um. Nehmen Sie seine Warnsignale ernst. Sie wissen ja bereits ganz gut, was Sie tun müssen. Und beobachten Sie Ihre alltäglichen Bewegungsmuster. Ist Ihnen aufgefallen, dass viele von uns den Blick sehr oft nach unten richten? Bei der Arbeit am Computer, beim Blick aufs Display des Smartphones, beim Essen. Die Folge ist eine dauerhaft überdehnte Nackenmuskulatur. Ärzte warnen bereits vor dem „Handy-Nacken“. Wie wäre es, das Handy mal hoch vor das Gesicht zu halten?


Jan 10, 2015, 11:26:25 AM, Autor: Arnd Petry / durchblick-gsundheit Oktober–Dezember 2015